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100 Jahre Sportgeschichte

2026 blickt die Landessportschule Bad Blankenburg auf 100 Jahre Sportgeschichte zurück. Anlässlich des Jubiläums haben wir unser Archiv auf den Kopf gestellt und die wichtigsten Meilensteine und Ereignisse des letzten Jahrzehnts herausgesucht.

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1926-1933: Der Anfang am Fuße des Hainbergs

Mit der feierlichen Einweihung eines Sportplatzes samt Tribünenbau am 30. Mai 1926 beginnt die Geschichte der heutigen Landessportschule Bad Blankenburg. Bei strahlendem Sonnenschein und in Anwesenheit von Vertretern der Thüringer Landesregierung wird die Anlage im Rahmen des 18. Turn- und Sportfestes des Vertreter-Convents offiziell eröffnet. Das Gelände war zuvor vom Verband alter Turnerschaften (VAT) erworben und 1925/26 für die Studentenverbindung Vertreter-Convent zur Sportstätte ausgebaut worden. 
Schon in den ersten Jahren seines Bestehens entwickelt sich der Standort zu einem wichtigen Treffpunkt des Turn- und Sportlebens. Hier finden Turn- und Sportfeste des VC, sportliche Lehrgänge sowie Veranstaltungen anderer Turn und Sportverbände statt. So wird 1927 in Bad Blankenburg das 2. Kreisfrauen-Turnfest des Turnkreises 13 (Thüringen) der Deutschen Turnerschaft (DT) ausgetragen. Die sogenannten Hochbauten, die in den Jahren 1931/1932 an die Tribüne angefügt werden, vervollständigen das im Bauhausstil errichtete Turnerschafterhaus.

Festakt zur Erföffnung am 30.05.1926
Vorführung zum VC-Sportfest 1926
Bauarbeiter 1926
VC-Turnfest 1927
Barren Musterriege zum Turnfest 1931
Kreisfrauen-Turnfest 1927

1933-1945: Zwischen Sportbetrieb und NS-Herrschaft

Mit der Errichtung der NS-Herrschaft 1933 verändert sich auch die Situation in Bad Blankenburg grundlegend. Viele nationale Turner begrüßen zunächst die politischen Veränderungen. Die Gleichschaltung der studentischen Verbindungen und des Sports im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL, ab 1939 Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen NSRL) führt jedoch unter anderem zur Auflösung des Vetreter-Convents.
Das Turnerschafterhaus mit Sportplatz wird 1935 an die Deutsche Turnerschaft und nach deren Auflösung 1937 an den DRL verpachtet. Bis 1945 dient die Anlage als Gausportschule. Neben sportlichen Lehrgängen und der Schulung von Kandidaten für Auswahlmannschaften finden dort verstärkt wehrsportliche Aktivitäten der Hitlerjugend sowie anderer NSDAP-Gliederungen statt. Während der Kriegsjahre wird die Sportschule zudem als Lazarett genutzt.

Turnerschafterhaus um 1936
Wehrsportübungen 1933
Aufmarsch zum 26. VC-Turnfest 1934
Leichtathletiklehrgang 1938
Leichtathletiklehrgang 1938
Sportschule des NSRL 1939

1945-1952: Neubeginn in der Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Verbot aller NS-Organisationen fällt die Sportschule unter die Treuhand und Zuständigkeit des Landes Thüringen. Zunächst werden Flüchtlinge und Umsiedler in den Gebäuden untergebracht, während die Sportplätze zeitweise dem Kartoffelanbau dienen.
Mit der Gründung des Landessportausschusses Thüringen 1948 beginnt der Wiederaufbau als Schulungsstätte des Sports. Am 29. Juni 1949 wird die Landessportschule „Artur Becker“ offiziell eröffnet. Hier tritt auch erstmal die heutige Bezeichnung „Landessportschule“ auf.
Bereits im Sommer 1949 trainieren Leistungssportler der Sommersportarten auf den sportlichen Anlagen, darunter führende Leichtathleten der Ostzone sowie eine Fußballauswahl der Sowjetischen Besatzungszone unter Leitung des späteren Weltmeistertrainers Helmut Schön. Die 1951/52 entstandenen Projektentwürfe zum Ausbau des Gebäudekomplexes der Landessportschule und zur Erweiterung und Modernisierung der Sportanlagen können nach der Auflösung des Landes Thüringen im Jahr 1952 nur teilweise umgesetzt werden.

Ansicht des Tribünengebäudes 1949
Leichtathletinnen beim
Training 1949
Leichtathleten der Ostzone bei der Vorbereitung für die III. Weltfestspiele 1949 in Budapest
Landessportschule „Artur Becker“ 1950
Landessportschule „Artur Becker“ 1950
Bauplan von 1951 in
isometrischer Darstellung

1952-1957: Die Sportschule des FDGB 

Trotz politischer Veränderungen kann sich die Schule durch ihren bautechnischen Stand und ihr positives Ansehen den Fortbestand sichern. Zwischen 1952 und 1954 wird sie zunächst als Mittelschule und später als Trainingsstätte des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport genutzt.
1954 geht die Sportschule an den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) über. Ihre zentrale Aufgabe besteht nun in der Ausbildung von Sportorganisatoren und Lehrwarten für den Betriebssport sowie in der Weiterbildung von Vorsitzenden der Betriebssportgemeinschaften. Das neue Hauptgebäude, das bis Ende 1953 von Bauarbeitern genutzt wurde, beherbergt Unterrichtsräume, Unterkünfte, Küche und Speisesaal sowie die Leitung und Mitarbeiter der FDGB-Sportschule.
1956 beginnen schließlich umfangreiche Baumaßnahmen zur Erweiterung des Hauptgebäudes und zur Errichtung eines dringend benötigten Turn- und Sporthallenkomplexes.

Lehrwarte 1956
Ausbildungszeugnis von 1956
FDGB-Lehrgang 1956
Baubeginn Turn- und Sporthalle 1956/57
Baubeginn Turn- und Sporthalle 1956/57
Sportschule 1957

1957-1977: Ausbildungszentrum des DDR-Sports

Mit der Übergabe an den neu gegründeten Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) beginnt 1957 eine neue Entwicklungsphase. Ab 1959 wird die Sportschule zur „Zentralschule“ des DTSB ausgebaut. Von 1961 bis 1977 wird Bad Blankenburg Standort eines dreijährigen kombinierten Fachschulstudiums, welches von der Deutschen Hochschule für Körperkultur Leipzig betreut wird. Die Ausbildung verbindet Direkt- und Fernstudium und richtet sich an langjährig tätige hauptamtliche Kräfte des DTSB und der Sportverbände. Neben theoretisch-politischer, pädagogischer und trainingswissenschaftlicher Schulung erhalten die Teilnehmer eine umfangreiche praktische Ausbildung in den Sportarten. Die insgesamt 1.148 Absolventen sind nunmehr auch für den Einsatz als Sportlehrer im Volkssport qualifiziert.
Darüber hinaus finden zahlreiche Lehrgänge für Führungskräfte, Trainingslager von Nationalmannschaften sowie internationale Programme statt. Besonders hervorzuheben sind zwei fünfmonatige Lehrgänge für 200 Sportinstrukteure aus Kuba in den Jahren 1964 und 1965. Eine enge Zusammenarbeit besteht zudem mit der am 10. Januar 1955 eröffneten Kinder- und Jugendsportschule des Bezirkes Gera, die bis 1979 in Bad Blankenburg angesiedelt war. Die Kooperation betrifft dabei vorrangig die Bereitstellung von Sportstätten sowie Nutzungsvereinbarungen für Sportgeräte, Lehr- und Lernmittel und den gegenseitigen Austausch von Fachpersonal.

Logo der Zentralschule
Einfahrt zur Zentralschule
Kreis- und Turnsportfest 1958
Kuba-Lehrgänge 1964-65
Sportschule zu DDR-Zeiten
Kuba-Lehrgänge 1964-65
Leichtathletik-Wettkampf der KJS um 1965
Seminargruppe Kombiniertes Fachschulstudium 1977
Postkarte der Zentralschule von 1972

1978-1990: Internationale Begegnungen und moderne Sportanlagen

Ab 1978 entwickelt sich die Sportschule zur zentralen Weiterbildungsstätte des DTSB für Führungs- und Lehrkader und gewinnt gleichzeitig international an Bedeutung. Zwischen 1978 und 1989 finden insgesamt 158 internationale Lehrgänge mit rund 4.000 Teilnehmern statt, überwiegend aus Afrika, Asien und Lateinamerika.
Die Integration der Bezirkssportschulen Erfurt und Suhl stärkt die Aus und Weiterbildung von Übungsleitern, Kampf- und Schiedsrichtern. Damit einhergehend wächst die Zahl der Beschäftigten auf etwa 120 Mitarbeitende. In den späten 1970er und 1980er Jahren werden zahlreiche bauliche Erweiterungen umgesetzt: ein neuer Küchen- und Versorgungstrakt, ein Unterkunftshaus, modernisierte Außenanlagen und Hallen, Krafträume, Kampfsportbereiche, eine Kegelbahn sowie ein moderner Hörsaal. 1984 wird dann die neue Schwimmhalle feierlich eröffnet, die auch öffentliche Hallenzeiten anbietet. Ebenfalls prägend sind die in den 1980er Jahren aufgebaute Sammlung zum Thema „Kunst und Sport“ sowie die Durchführung von Pleinairs mit Kunstschaffenden.

Lehrgang der Fußballnationalmannschaft Algeriens 1986
„Olympic Run Day” 1987 in Bad Blankenburg
Int. Lehrgang der FIS 1985
Haus B im Bau 1979/80
Haus B nach Fertigstellung 1981
Schwimmhalle

1990-1996: Herausforderung Wiedervereinigung

Mit dem Ende der DDR und der Auflösung des DTSB gerät die Sportschule Anfang der 1990er Jahre in eine existenzbedrohende Situation. Die bisherigen Finanzierungs- und Nutzungsgrundlagen entfallen, notwendige Investitionen können kaum umgesetzt werden und die Mitarbeiterzahl muss schrittweise reduziert werden. Dennoch gelingt es durch die Öffnung der Einrichtung für neue Nutzergruppen und vor allem durch die enge Partnerschaft mit dem 1990 in Bad Blankenburg gegründeten Landessportbund Thüringen, die Sportschule als Landessportschule neu zu profilieren. Ein entscheidender Schritt erfolgt 1996 mit dem vom Thüringer Ministerium bestätigten Betriebsüberlassungsvertrag. Er ebnet den Weg zur Übertragung der gesamten Liegenschaft auf den Landessportbund Thüringen e.V. zum 1. Januar 1997. Offene Eigentumsfragen werden schließlich Ende 1997 durch einen Vertrag mit dem Coburger Convent geklärt.

Delegierte der LSB-Gründung 1990
Die Sportschule am 29. September 1990, dem Gründungstag des LSB
LSB-Gründungskonferenz 1990
Absolventen der Ausbildung Org-Leiter 1991
Postkarte von ca. 1992
Fußballschule Portas 1996

1997-2006: Ein Jahrzehnt des Umbaus

Mit der Übernahme durch den Landessportbund Thüringen beginnt die umfassende Modernisierung der gesamten Anlage. Nach dem ersten Spatenstich im Sommer 1998 kann bereits am 29. Juni 1999 die neue Vierfelderhalle eröffnet werden. Bis Ende 2001 werden Haus A und das Tribünengebäude grundlegend erneuert, die alte Sporthalle rekonstruiert, die Leichtathletikanlagen instandgesetzt und ein Kunstrasenplatz geschaffen.
Die Nutzung der Landessportschule als Lehrgangs und Tagungsstätte mit Übernachtungsmöglichkeiten wird auch während des von Herbst 2001 bis Ende 2002 reichenden 2. Bauabschnittes aufrechterhalten. In diesem Zeitraum erhält die Sportschule ihr modernes Erscheinungsbild. Mit neuem Foyer, Rotunde, Sportrestaurant, Küche und Champions Pub sowie der Modernisierung des Hauses B entstehen attraktive Übernachtungs- und Tagungsbereiche. Im November 2002 wird dieser Bereich, einschließlich der Außenanlagen mit Feuerlöschteich, Beach-Anlage und Aktionsforum feierlich der Nutzung übergeben.
2005 und 2006 folgen das regenerative Zentrum „Vitalion“ sowie drei neue Rasenplätze, die gemeinsam mit dem Deutschen Fußballbund und dem Thüringer Fußball-Verband finanziert werden.

Die neue Guts-Muths-Vierfelderhalle
Blick auf das Tribünengebäude 2001
JuJutsu-Seminar 2005
2. Bauabschnitt - Aufnahme Dezember 2001
2. Bauabschnitt - Aufnahme Dezember 2001
Regeneratives Zentrum „Vitalion“

2006-2016: Begegnungsstätte des Thüringer Sports

Nach der weitreichenden Sanierung entwickelt sich die Landessportschule zu einer angesehenen Adresse für Training, Aus- und Fortbildung. Zahlreiche Spitzensport verbände nutzen die zentrale Lage in Deutschland ebenso wie Verbände und Vereine für Tagungen und Mitgliederversammlungen. Die Landessportschule wird zu einem Ort der Begegnung für die gesamte Sportfamilie: Sportler und Trainer, Funktionäre, Kampfrichter, Kinder und Jugendliche, Erwachsene und Senioren sowie behinderte und nicht behinderte Sportler, aber auch Touristen kommen hier zusammen. Allein zwischen 2005 und 2016 werden rund 500.000 Übernachtungen gezählt. Hinzu kommen jährlich etwa 20.000 Tagesgäste sowie 100.000 Nutzer aus dem Schul- und Vereinssport. Damit entwickelt sich die Landessportschule zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor für die Region.
Das 15 ha große Gelände mit seinen parkähnlich angelegten Außenanlagen dient sowohl den Gästen der Landessportschule als auch den Bewohnern von Bad Blankenburg als ein Ort der Begegnung und des Austausches am Eingang des wildromantischen Schwarzatals mitten im grünen Herzen von Thüringen

Luftaufnahme aus 2007
7. Landessporttag 2009 mit dem DOSB-Präsidenten Dr. Thomas Bach
17. Int. Thüringen-Pokal des Thüringer Judo-Verbandes 2008

2016-2026: Auf dem Weg ins zweite Jahrhundert

Die Landessportschule etabliert sich als moderner Trainings- und Veranstaltungsort mit nationaler und internationaler Ausstrahlung. Zahlreiche Trainingslager, Turniere und Großveranstaltungen prägen den Alltag auf dem Gelände. Viele Mannschaften nutzen die Landessportschule zur Vorbereitung auf sportliche Höhepunkte, darunter auch Teams im Rollstuhl-Rugby, Para-Tischtennis und JuJutsu ebenso wie zahlreiche Bundes- und Erstligamannschaften. Auch DFB-Sichtungsturniere mit späteren Nationalspielern unterstreichen die Bedeutung Bad Blankenburgs für den Nachwuchs- und Spitzensport.
2017 und 2018 modernisiert die Landessportschule ihre Gastronomie umfassend. Mithilfe von Fördermitteln in Höhe von 813.050 Euro entsteht eine moderne Großküche für eine gesunde und sportgerechte Versorgung. Mit der feierlichen Einweihung der neuen Küche im Jahr 2018 wird ein Gesamtprojekt von rund 1,1 Millionen Euro abgeschlossen.
Die Corona-Pandemie bringt ab März 2020 massive Einschränkungen für den Schul- und Veranstaltungsbetrieb mit sich. Zeitweise kommt das sportliche Leben fast vollständig zum Stillstand, bis unter besonderen Bedingungen nach und nach der Neustart erfolgt. Im Juni 2021 wird ein erneuerter Kunstrasenplatz eingeweiht. Kurz darauf verursacht ein Hochwasser Schäden an Anlagen und Infrastruktur, worauf umfassende Sanierungsmaßnahmen folgen. Seit 2022 ist wieder ein vielfältiger Sport- und Veranstaltungsbetrieb möglich. Bundesliga- und Nationalmannschaften kehren für Trainingslager nach Bad Blankenburg zurück.

Para-Sport an der Landessportschule
Modernisierter Gastronomiebereich
Europameisterschaft im Schach 2018
Freundschaftsspiel zur Einweihung des Kunstrasenplatzes 2021
Hochwasser 2021
Rotunde zum Hochwasser 2021

Unser Archiv

Interesse an noch mehr Geschichte?

In unserem Tribünengebäude beherbergen wir unter anderem das Archiv des Landessportbundes Thüringen. Unser Ansprechpartner ist Dr. Jörg Lölke, welchen Sie per Mail unter archiv(at)lsb-thueringen(dot)de erreichen können.

Ausstellung zum 90-jährigen Jubiläum

Solange die Ausstellung zu 100 Jahre Sportschule noch in Bearbeitung ist, finden sie hier bereits einen kleinen Einblick in die 90-jährige Geschichte.

PDF zur 90-jährigen Geschichte
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